Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen müssen Anleger bei Investments in die meisten Rohstoffe (englisch: Commodities) den Umweg über die Terminbörse gehen. Kein Wunder: Die Lagerung von Öl und Gas ist kompliziert, Agrargüter sind häufig verderblich. Aus diesem Grund beziehen sich Rohstoffzertifikate, abgesehen von Edelmetallen, stets auf Futureskontrakte.
Das Problem: Die Laufzeit der Futures ist von vornherein begrenzt. Open-End-Zertifikate haben dagegen eine unbegrenzte Laufzeit. Futureskontrakte müssen daher während der Laufzeit regelmäßig getauscht werden. Bei diesem Anpassungsprozess – auch Rollen genannt – können Zusatzerträge oder Rollkosten entstehen. Entscheidend hierfür ist der Verlauf der Forwardkurve.
Bei einer steigenden Kurve, die in der Fachsprache auch als Contango-Formation bezeichnet wird, sind die kurzlaufenden Kontrakte billiger als die Futures mit längeren Laufzeiten. Das heißt, der Investor erwirbt mit dem „neuen“ Future weniger Einheiten des zugrunde liegenden Rohstoffs. Er realisiert daher Rollverluste, die sich bei Open-End-Zertifikaten in einem sinkenden Ratio äußern. Fällt die Forwardkurve – hier spricht man von einer Backwardation –, kann der Inhaber eines Open-End-Zertifikats dagegen Rollerträge generieren.
Am 8. Februar 2008 wurde das Open-End-Zertifikat auf Baumwolle (WKN: GS0CC9) gerollt. Wie in der oben gezeigten Baumwolle-Forwardkurve zu erkennen ist, handelt es sich bei dem anstehenden Roll um eine Contango-Situation. Dies bedeutet, dass der aktuelle Futurekontrakt, in dem das Zertifikat investiert ist, günstiger ist als der darauffolgende Kontrakt. Vor dem Rollen bezog sich das Zertifikat auf den März-Kontrakt, der bei 69,09 US-Cent notierte, also bei 0,6909 US-Dollar. Das Ratio betrug 59,00820422, und der Euro notierte bei 1,4507 USD. Die Management Fee für das Zertifikat liegt bei 0% pro Jahr und die Roll-Fee bei 0 USD je Roll. Beide Angaben finden Sie auf der Goldman Sachs Webseite beim jeweiligen Produkt in der Box Produkteigenschaften auf einen Blick. Daraus ergab sich vor dem Rollvorgang folgender Kurs für das Open-End-Zertifikat:
((0,6909 USD – 0,00 USD)x 59,00820422) / 1,4507 USD/EUR = 28,10 Euro
((Kurs des alten Futurekontrakts – Roll-Fee)x altes Ratio) / Wechselkurs = Zertifikatekurs
Bevor der März-Kontrakt auf Baumwolle auslief, erfolgte der Rollvorgang auf den nächst- folgenden Future, den Mai-Kontrakt. Dieser Terminkontrakt notierte zum Rollzeitpunkt bei 70,82 US-Cent, also bei 0,7082 USD. Da sich der Preis des Open-End-Zertifikats während des Rollens nicht ändert, wird das Ratio angepasst. Es ändert sich wie folgt:
(28,10 Euro x 1,4507 USD/EUR) / (0,7082 USD + 0,00 USD) = 57,56674427
(Zertifikatekurs x Wechselkurs) / (Kurs des neuen Futurekontrakts + Management Fee) = neues Ratio
Das Ratio ist also gesunken. Das bedeutet, das Open-End-Zertifikat bezieht sich nun auf weniger Einheiten des Baumwollkontrakts. Der Inhaber des Zertifikats musste also Rollverluste hinnehmen.
Am 3. März 2008 wurde das Open-End-Zertifikat auf Gasöl (WKN: GS0CCC) gerollt. Wie in der oben gezeigten Forwardkurve von Gasöl zu erkennen ist, handelt es sich bei dem anstehenden Roll um eine Backwardation-Situation. Dies bedeutet, dass der aktuelle Futurekontrakt, in dem das Zertifikat investiert ist, teurer ist als der darauffolgende Kontrakt. Vor dem Rollen bezog sich das Zertifikat auf den März-Kontrakt, der bei 893,75 US-Dollar notierte. Das Ratio betrug 0,085714672 und der Euro notierte bei 1,5121 US-Dollar. Die Management Fee für das Zertifikat liegt bei 0% pro Jahr und die Roll-Fee bei 0 USD je Roll. Beide Angaben finden Sie auf der Goldman Sachs Webseite beim jeweiligen Produkt in der Box Produkteigenschaften auf einen Blick.
Daraus ergab sich folgender Kurs für das Open-End-Zertifikat:
((893,75 USD – 0,00 USD)x 0,085714672) / 1,5121 USD/EUR = 50,66 Euro
((Kurs des alten Futurekontrakts – Roll-Fee)x altes Ratio) / Wechselkurs = Zertifikatekurs
Nach dem Rollvorgang ist der April-Kontrakt der neue Basiswert. Dieser Terminkontrakt notierte zum Rollzeitpunkt bei 875,5 US-Dollar. Da sich der Preis des Open-End-Zertifikats während des Rollens nicht ändert, wird das Ratio angepasst. Es ändert sich wie folgt:
(Zertifikatekurs x Wechselkurs) / (Kurs des neuen Futurekontrakts + Roll-Fee) = neues Ratio
Das Ratio ist hier gestiegen. Das bedeutet, das Open-End-Zertifikat bezieht sich nun auf mehr Einheiten des Gasölkontrakts. Der Inhaber des Zertifikats konnte also Rollerträge generieren.